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Das Reisen führt uns zu uns zurück. — Albert Camus

Irgendwann im Januar 2010 kam ich auf die Idee, wenn schon Auslandsaufenthalt, dann gleich richtig! Hinzu kam die Tatsache, dass es sich für mich äußerst schwierig gestaltete ein Praktikum für den Zeitraum von 3 Monaten zu finden. Also entschied ich mich gleich ein komplettes Jahr zu absolvieren, wie ich es eigentlich für später vorgesehen hatte. Von Anfang an stand fest: Es wird Neuseeland! Doch wie, was und wo genau könnt ihr nun hier in meinem Blog lesen.

Was in den letzten 2 Wochen sonst noch so passiert ist…04.07.10

Ich habe schon jetzt die leise Vorahnung, dass dies wieder ein sehr langer Blogeintrag wird. Zum einen liegt das daran – so wurde mir das von anderen Blogschreibern mitgeteilt – schreibe ich wohl generell ziemlich viel zu eigentlich banalen Sachen :grin:, zum anderen habe ich die Woche mehrere Anläufe genommen einen Zwischenbericht zu erstatten, aber entweder hatte ich keine Zeit ihn zu beenden oder es sind wieder andere spannende Sachen dazwischen gekommen, über die ich erstmal einen Beitrag loswerden musste :blush:.

 

Jetzt aber mal zum letzten Wochenende (25.-27.6.) – das ist wichtig, denn es war eine Premiere! Ich war ein ganzes Wochenende alleine mit den Kindern, auch wenn sich die Anzahl der Kinder während der drei Tage von 3 auf 1 verringert hat – ziemlich massiver Schwund, der bei diesen quicklebendigen und willensstarken Kindern ganz besonders auffällt.

 

Ich wusste schon seit Anfang Juni, dass es mich an diesem Wochenende treffen würde, denn Jo und Charlotte wollten mit Freunden zu ihrem Strandhaus, um ein kinderfreies Wochenende zu zelebrieren. Sie ließen mir etliche Optionen, dass WE zu gestalten. Ich hätte alle drei Kinder haben können, zwei von ihnen oder mit ihnen für das WE zu ihren Großeltern ziehen können. Da ich mich aber gerade erst an das Familiendasein im Haushalt der Macdonalds gewöhnt hatte, wollte ich nicht schon wieder die Familie wechseln. Zumal ich hier einfach weiß wo was ist und ich mich frei bewegen kann.

 

Intelligenterweise, wie ich finde, entschied ich mich für den Mittelweg und mein Großer wurde drei tagelang ausquartiert bei seiner Oma. Zusätzlich hat meine Holly dann von ihrer Tante noch ein Sleepover-Angebot bekommen, was natürlich keine von uns ausgeschlagen hat. So kam es, dass ich ab Samstagvormittag mit Ben und dem Audi vor der Haustür alleine war :lol:

 

Zum Lunch waren wir beide bei Jos Eltern eingeladen und dort gab es leckere Gemüsesuppe, frisches Brot und ganz viel Kaffee. Allerdings verhielt sich Ben etwas merkwürdig. Er wich seinen Großeltern eher aus,  als das er sie in die Arme schloss und kam die ganze Zeit zu mir gerannt, sobald er knuddeln wollte oder etwas brauchte. Nicht dass mich das nicht schmeichelt, aber in Gegenwart der Großeltern, war mir das doch merklich unangenehm. Doch die Zeit verging schnell und ich wollte mit Ben ja noch zum Strand fahren.

 

Etliche DVDs reicher (Jos Eltern haben eine riesige DVD-Sammlung, an der ich mich gleich bereichert habe) machte ich mich auf den Weg, um Cindy abzuholen, die gerne mit uns zum Strand kommen wollte. Übrigens fühlte ich mich von Meter zu Meter wohler in meinem deutschen Gefährt! In Mission Bay angekommen gönnten sich die zwei Großen ein Starbucksgetränk und für den Kleinen gab’s einen Saft, was ihn überglücklich machte, denn Saft ist hier fast so besonders wie Kuchen.

 

Am Strand gab es natürlich auch einen superschönen Spielsplatz mit einer Wasserspielanlage – schön für die Kinder, unberechenbar für die Eltern oder Au Pairs. Ben hatte Spaß und ich war froh, dass es doch nicht mein Audi ist in dem wir wieder nach Hause gefahren sind.

 

Lange konnten wir nicht bleiben, denn 18Uhr sollten die Mädels vor der Tür stehen, die ich auf einen Pizza eingeladen hatte, damit mir nicht ganz so langweilig werden würde. Als besonderes Extra wollten wir für diesen Abend außerdem Glühwein zubereiten. Ich hatte mit meiner Gastfamilie über die Möglichkeit gesprochen einen Deutschen Tag kurz vor Weihnachten zu machen und da sind wir auf Glühwein zu sprechen gekommen. Doch im Dezember bei über 30°C werde ich wohl weniger Lust auf Glühwein haben und als ich mit den Mädchen darüber gesprochen habe, haben wir spontan beschlossen, Glühwein eben im neuseeländischen Winter mitten im Juni zu trinken.

 

Die Mädels waren pünktlich und ich lernte sogar noch zwei neue, ganz liebe Mädels kennen – Sandra (wohnt auf der Südhöhe, wie cool ist das denn!?) und Vanessa.  Wir hatten super viel Spaß beim Zusammenstellen der Pizza und schütteten nebenbei mehere Rotweinflaschen in einen großen Topf.  Auf experimenteller Basis fügten wir Orangen, Nelken, Anis, Zucker und Zimt hinzu und ließen das ganze vor sich hin blubbern (nein, ich meine nicht köcheln!)

 

Dass wir einen sehr lustigen und netten Abend hatten, den wir bei viel Schokolade, Keksen, Chips und Sex and the City ausklingen ließen, könnt ihr auf den Bildern sehen!

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Der Glühwein war übrigens megalecker und die Mädels sind schon dahingeschmolzen als sich der Geruch in der Küche verbreitete. Wir hatten alle ein Déjà vu-Erlebnis erster Klasse und befanden ihn einstimmig für besser als den Gekauften.

 

Der Sonntag verlief dann sehr ruhig. Ich hätte Ben gern besser unterhalten, aber ich war einfach zu müde, um etwas Großes zu Basteln oder dergleichen. Also schnappte ich mir den Zwerg, holte Nikolina und Cindy ab und wir sind zusammen wieder nach Mission Bay gefahren, wo wir quatschen und Ben sich auf dem Spielplatz vergnügen konnte. Allerdings zogen hinter uns dunkle, schwere Wolken auf und der nächste Wolkenbruch sollte nicht lange auf sich warten lassen. Ich hatte dann so meine Mühe Ben davon abzuhalten die ganze Zeit im Regen herumzurennen. Wir versuchten dann eine regenfreie Phase abzupassen und liefen zurück zum Auto, natürlich nicht ohne Pfützenspringen:lol:

 

Abends haben wir uns dann wieder in dem indischen Restaurant getroffen, wo Phil sonntags ja immer singt und haben lecker Curry gegessen! Nicky, Nikolina und ich sind danach in die Stadt gefahren, um in einem englischen Pub das Dtl-England Spiel zu sehen. Cindy war leider zu müde. Aber dazu schreibe ich mehr in einem extra Beitrag, sonst sprengt das hier alles.

 

Völlig übernächtigt startete ich dann in meine Arbeitswoche, die etwas chaotisch werden sollte, denn Sebbie hat Ferien und dementprechend wurden meine Arbeitszeiten auch angepasst. Aber Charlotte hat sehr genau aufgepasst, dass ich nicht zu viel arbeite und so kam es, dass ich das erste Mal nach zwei Monaten, zwei Nachmittage frei hatte. Was für ein unverhoffter Luxus! Freitagnachmittag habe ich mich wie ein Mittagskind im Kindergarten gefühlt!

 

Am Montag war ich dann das erste mal mit Nicky beim Swing Course. Ich interessier mich ja schon immer sehr für den Lifestyle der 20er-50er Jahre und da ich ja auch gern Standard tanze, dachte ich, ich kombinier das mal und versuch mich an einem Tanz aus eben jener Epoche. Die liebe Nicky hat sich spontan bereit erklärt mir seelische Unterstützung zu leisten und mich begleitet. Sie war dann von der ganzen Sache auch so begeistert, dass wir nun nach der kostenlosen Probestunde den Kurs machen wollen.

 

Ich muss ja schon sagen, dass das für mich schon etwas gewöhnungsbedürftig ist. Der Tanz selber macht super viel Spaß, aber die ganzen fremden Kiwis, das ständige Partnerwechseln und eben ohne eigenen Partner dort rumzutanzen , das hat mich schon etwas eingeschüchtert. Ich weiß nicht, ob es super viel bringt, wenn man keinen eigenen Tanzpartner mitbringt, denn dann kann man die Schritte in den Pausen leider nicht üben. Nun gut, die 6 Wochen werde ich auf jeden Fall durchziehen, schon alleine um mal über meinen Schatten zu springen, aber danach muss ich sehen wie es weitergeht, da Nicky auch nur zu diesem Block mitkommen kann und ich nicht weiß, ob ich zu den anderen Leuten in der kurzen Zeit stärkeren Kontakt aufbauen kann.

 

Jedenfalls gab es nach dem Swing-Dance noch die Möglichkeit den Balboa zu lernen, sozusagen kostenloser Zusatzunterricht. Aber der Tanz sagt mir nicht so zu und es war definitiv zu viel Körperkontakt für meine Verhältnisse. Wir werden sehen, ich halte euch definitiv auf dem Laufenden :D

 

Ansonsten war die Woche recht unspektakulär. Also springen wir gleich mal zum Freitag.  Der Tag hielt ja einiges bereit, u.a. ja das Paket, wie ihr meinem vorherigen Beitrag entnehmen konntet ;) Aber es sollte noch so einiges mehr geschehen, denn nachmittags habe ich mich mit meinem Großen zusammengesetzt und eine Geschichte erfunden, da er sie gerne seinem Papa zum 40. Geburtstag schenken wollte. Gesagt, getan. Seb hat sich riesig gefreut und sich ganz oft bei mir bedankt und als ich abends mit Charlotte geredet hab, erzählte sie mir dann folgendes: Holly hat für ihren Papa zum Geburtstag ein Bild von der Familie gemalt und Seb meinte dann zu ihr, sie sollte mich doch unbedingt mit drauf malen, da ich doch soooooo nett bin! Einige werden sich jetzt sicher am Kopf kratzen und nicht verstehen was das besondere daran ist und erst recht werden sie nicht nachvollziehen können, warum meine Hostmum plötzlich Tränen in den Augen hatte.

 

Nun, auch dieses Thema würde den Rahmen sprengen und ich werde darüber nochmal ausführlicher schreiben. Wenn ihr wollt kann ich euch auch nochmal die Geschichte abtippen, die, wie ich finde, absolut der Brüller geworden ist!

 

Abends bin ich dann ganz spontan mit ein paar Mädels in eine Bar gegangen und eigentlich wollten wir uns mal einen richtigen guten Cocktail gönnen. Die Bar sah auch ziemlich einladend aus, aber spätestens als uns der Kellner ungläubig anguckte, weil wir gerne zwei Tische zusammen schieben wollten, hätten wir kehrt machen sollen. Stattdessen haben wir für 15$ Cocktails bestellt – was ein halbswegs passabler Preis ist, aber nicht für Cocktails, die in Longdrink Gläsern von unfreundlichen, überforderten Kellnern serviert werden und noch dazu schmecken, wie aus der Flasche! Enttäuscht haben wir sie schnell ausgeleert und der Spruch “Hau weg die Scheiße!” bekam plötzlich eine ganz andere Bedeutung.

 

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Danach sind wir in einen irischen Pub, wo die Bedienung schon um einiges freundlicher und die Getränke um einiges leckerer waren. Allerdings hielten sich dort ein paar äußerst unangenehme Zeitgenossen auf, die der Meinung waren, sich an unseren Tisch setzen zu müssen. Zunächst fing alles ganz harmlos an und sie machten sogar ein Gruppenfoto von uns Mädels. Irgendwann haben sie dann rausgekriegt, dass wir zum Großteil aus Deutschland kommen und sie fingen an uns mit dem Argentinienspiel aufzuziehen. Wenig später kam dann ein anderer Kerl, der aber definitiv zu der gleichen Gruppe gehörte und sagte:  “Na, Argentinien gewinnt morgen, nicht wahr?” In diesem Augenblick habe ich es noch mit Humor genommen und gekontert: “Das ist keine sehr intelligente Art mit deutschen Mädels zu flirten!” Daraufhin wurde er sehr beleidigend und unangenehm und ich möchte seine dummen Sprüche an dieser Stelle nicht wiedergeben – das sind sie einfach nicht wert!

 

Mir war es jedenfalls zu blöd und ich rief den Türsteher, der die beiden auf mein Bitten hin dann auch von unserem Tisch entfernt hat. Jedoch hielt die Ruhe keine 5 Minuten. Zwei von den Kerlen hielten es doch echt für nötig im Stechschritt und mit Hitlergruß vor unserem Tisch auf und ab zu laufen. Daraufhin haben wir sofort alle zusammen wieder nach dem Türsteher gerufen, obwohl es unnötig war. Denn er war schon zur Stelle und hat die Gruppe dann aus dem Pub geworfen.

 

Ich war echt furchtbar wütend in diesem Moment, obwohl ich wusste, dass das absolute Idioten waren, die von Deutschland und der Geschichte nicht mal den Hauch einer Ahnung haben und dass es definitiv nicht der Normalfall in Neuseeland ist. Aber ich hab mich einfach persönlich angegriffen gefühlt und irgendwie verletzt es schon ein wenig, wenn man auf eben jenes reduziert wird.

 

Naja, vergessen wir das ganze jetzt einfach Mal. Der Samstag war dafür umso schöner. Wir haben uns Mittags zum Lunch in einem netten Restaurant namens Circus Circus getroffen und ausgiebig gequatscht.  Übrigens steh ich hier voll auf die Heiße Schokolade, weil die immer mit Marshmallows serviert wird. Einfach lecker.

 

Danach sind wir auf den Mt. Eden hochgefahren. Das ist – mal wieder – ein Vulkan, aber ein ganz besonderer, denn der Mt. Eden hat einen riesigen Krater in seiner Mitte. Dieser Hügel lässt also besser als die anderen erahnen, dass es sich hier wirklich um Vulkane handelt. Von dort oben hatte man auch eine wunderschöne Sicht auf One Tree Hill und den Cornwall Park. Dieser Park ist so was wie der Große Garten von Auckland, nur noch größer und natürlich (keine künstliche Anlage wie unser Park). Ich wollte schon lange dahin und wir haben einfach spontan beschlossen mal eben rüber zu fahren.

 

Wir sind ein Stück den Berg hochgelaufen und haben dabei hunderte von Schafen gesehen und fotografiert. In einem der Täler haben sich ein paar Leute einen Spaß daraus gemacht Steine in die Form einer Liebesbotschaft zu legen, die man von oben aus dann lesen konnte. Ganz oben auf dem One Tree Hill steht ein großer Obelisk, der an einen alten Baum erinnern soll, der an dieser Stelle abgeholzt wurde.

 

Hier ein paar Bildchen:

 

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Auf dem Rückweg waren wir noch in einem kleinen Süßigkeitenladen, der uns total an Harry Potter erinnert hat. Überall kleine Gläschen mit Bonbons, Schokolade usw. Die hatten doch tatsächlich auch Rittersport, Milka, Haribo und Maoam! Aber eine Rittersporttafel kostet hier unglaubliche 8,50$. Der blanke Wucher!

 

Dann mussten wir auch schon zurück, da Cindy und ich babysitten mussten. Es war schließlich der 40. Geburtstag meines Hostdads und sie wollten groß feiern und über Nacht wegbleiben. Ich war also mit den Kindern wieder alleine und alle drei waren nicht sonderlich gut gelaunt gestern abend. Deswegen hab ich drei Striche gemacht, als sie endlich alle eingeschlafen waren.

 

Nachts hieß es dann Fußballgucken! Aber auch dazu mehr in dem gesonderten Beitrag, der bald folgen soll :grin:

 

Gegen 13Uhr haben mich dann Jo und Charlotte endlich abgelöst und ich konnte mit Cindy zusammen zum Dress-Smart fahren. Das ist ein riesiges Shopping Centre mit lauter Outlet-Stores. Wir sind nur in einem Laden fündig geworden: ESPRIT. Ich habe 2 Röcke und eine Bluse gefunden, die nur so nach Stephanie schreien, dass es kein Entkommen gab. Doch bei den Preisen und der guten Esprit-Qualität musste ich einfach zu schlagen. Ein Rock z.B. hat nur 54,90$ gekostet. In Deutschland hätte man mindestens genauso viel in Euro oder sogar noch mehr bezahlt.

 

Achja, dann haben wir uns noch mit einem Besuch bei Wendy’s belohnt. Das ist eine Milkshake-Kette, die unglaublich lecker Milchshakes und Eissorten haben. Für mich gab es einen heißen Schokokuchen mit Softeis und heißer Schokosoße.

 

Jetzt sitze ich gerade in meinem Zimmer und fluche ein wenig über diesen Blogeintrag. Er ist mal wieder so lang geworden, aber ich möchte doch so gern alles festhalten, was mir wichtig erscheint, nachdem ich ein längere Pause hatte.:lol: Es ist ja auch keiner verpflichtet alles zu lesen. Ich will einfach nur in ein paar Jahren die Einträge lesen und erinnern können :blush:

 

Morgen gehe ich dann mit dann mit meinen Kiddies und meiner Hostmum ins Kino zu Toy Story 3 und das in meiner Pause! Das will was heißen :bad: Und am Dienstag geht es dann nach Coromandel, wenn es das Wetter zulässt. Jetzt muss ich aber ins Bett. War ein langes Wochenende und zwei Wochen am Stück arbeiten schlaucht schon ganz gewaltig!

 

Ich vermiss euch ganz doll, jetzt während der WM noch viel mehr!

Eure Steph

 

PS: Hier noch ein paar Bilder von meinen Kiddies heute :)




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Endlich ist es da!02.07.10

Bis zu diesem Tag hatte ich für meine Eltern immer nur ein Schmunzeln übrig, wenn sie mir von ihren Westpaketen erzählt haben, die sie von ihrer Verwandtschaft gelegentlich erhalten haben als die Mauer noch stand. Ich muss jedes mal Lachen, wenn mir mein Paps von seiner Jeanshose erzählt, die er mal geschenkt bekommen und getragen hat, bis sie völlig zerschlissen war. Meiner Oma hat das gar nicht in den Kram gepasst, aber es war halt eine gute Hose aus dem Westen. Die Logik hinter diesem Verhalten hab ich schon immer irgendwie nachvollziehen können, aber so richtig verstanden habe ich es, glaube ich, erst heute.


Seit exakt 49 Tagen, okay ich bin fair und zieh einen Tag für die Zeitverschiebung ab – macht immer noch 48 Tage, habe ich auf mein ganz persönliches Westpaket gewartet und ich glaube mein kleines Paket hat es ganz besonders verdient als Westpaket bezeichnet zu werden. Viel weiter kann man gar nicht in den Osten reisen als bis nach Neuseeland (An die liebe Louisa: Ich gehe jetzt mal von der Datumsgrenze aus!).


Jedes Mal, wenn ich nachmittags die Treppen hinauf ging, um meine Nachmittagsschicht anzutreten, hab ich gehofft ein kleines Päkchen auf dem Küchentisch zu finden, dass während meiner Pause für mich abgegeben worden war. Jedes Mal, wenn ich auf dem Weg in die Stadt ein DHL-Auto gesehen habe, musste ich an meine liebe Familie denken, die zwei Päkchen für mich auf den Weg geschickt hat. 6 Tage die Woche bin ich zum Briefkasten gelaufen und hab ihn in freudiger Anspannung geöffnet. Jedes mal, wenn es an der Tür klingelte, machte mein Herz einen kleinen Hüpfer (denn so oft klingelt es hier nicht). Leider bin ich jedes Mal ein kleines bisschen enttäuscht wurden. Doch insgesamt überwog eindeutig die Freude, dass ich mich immer noch auf ein paar Geburtstagsgeschenke freuen kann. Obwohl der Geburtstag dabei weniger wichtig war, vielmehr freute ich mich auf die Post aus Deutschland!


Als es heute morgen gegen 9Uhr klingelte, machte mein Herz wieder diesen kleinen Hüpfer und in meinem Kopf spukte sofort das Wort Paket herum. Doch ich ermahnte mich innerlich sofort wieder dazu, Ruhe zu bewahren, um nicht enttäuscht ins Wochenende zu gehen. Aber dann kam es endlich, das sehnlichst erwartete “Stephanie!” meiner Gastmum, die die Tür geöffnet hatte. Ich konnte es kaum fassen und wusste nicht so recht, wie ich meiner Freude Ausdruck verleihen konnte. Grinsend überreichte mir Charlotte das Päkchen und ich sah sofort, dass es das Paket von meinen Großeltern, meinem Dad und meinem Bruderherz war! Das Paket meiner Mama war also immer noch auf Reisen. Doch das erste was ich sagte, war: “Dann kommt das andere bestimmt auch ganz bald!”


Mein großer Seb, der gerade Ferien hat, stand auch direkt neben mir und wollte, dass ich das Paket öffne. Natürlich sind wir gleich in die Küche gerannt, um ein Messer zu holen. Ich hab das Klebeband ganz sorgfältig durchgeschnitten und dann wollte ich das Paket gar nicht mehr öffnen. Kennt ihr den Moment, wo ihr endlich bekommt, was ihr schon so lange wolltet und dann könnt ihr es nicht öffnen, weil ihr genau wisst, das war es dann? Nach dem Öffnen ist die ganze Vorfreude weg?


Aber das war nur ein kurzer Augenblick, die Neugier siegte eindeutig und nun möchte ich euch an meinem eigenem Westpaket teilhaben lassen!


 


Das lang ersehnte Paket! Die nette Botschaft meines Bruders! Haha... Datum, Poststempel und der hohe Preis! Die Spannung steigt! Und da ist es! Eine super niedliche Karte... ...mit den liebsten Worten und Widmungen meiner Familie! Dicke, rutschfeste Socken (die ich hier super gebrauchen kann!)! Famous Princess...damit bin ich gemeint :) Kommentar von meinem großen Seb: Oh my god, you are spoiled! Nochmal der komplette Inhalt meines tollen Westpakets! Nochmal der komplette Inhalt meines tollen Westpakets! Ich liebe Chili in dunkler Schoki! Haha...Ossi-Schokolade aus dem Westen! Meine Rettung, denn hier gibt es ja keinen Quark! Endlich wieder Pudding! Selbermachen ist zu teuer! Yes, Griesbrei! Gibt's hier auch nur unter widrigen Bedingungen! Etwas Sommer hier im Winter! Danke, Papa!!! Meine Lieblingsduplos! Noch nie gegessen, aber sieht lecker aus! Die besten Bonbons auf der Welt! Meine größte Sucht! Haha...der ist gut! (Hab allen erzählt wie müde ich hier bin :) )


Hach, dieses Paket ist meine ganz persönliche Jeanshose. Ich will’s gar nicht essen, obwohl meine Familie mir extra das geschickt haben, was ich hier am meisten vermisse (gut, Quark und Brot versteht sich von selbst, warum’s nicht dabei war :blush:).  Deswegen ist es vor allem gefüllt mit Schokolade. Hier gibt es zwar massig Schoki und auch welche, die man halbwegs vertilgen kann. Zumeist sind es aber Schokoriegel und es fehlt immer das gewisse Etwas! Das gute an diesem Paket scheint zu sein, dass die Schoki noch in Ordnung ist. Meine Mädels hatten mir ja einen ganz lieben Geburtstagsbrief geschickt. Leider war die Schoki darin geschmolzen und das ganze Fett rausgelaufen. Das hat die Schokolade leider runzelig/bröckelig und trocken gemacht, aber man konnte trotzdem noch den Geschmack erahnen :)


Ach ja, vorher hab ich meiner Hostfamily noch übersetzt, welche Botschaft mir mein Bruderherz auf der Außenseite des Pakets hinterlassen hat: Nicht schummeln, Schwesterherz! Nicht vor dem 29.5.2010 öffnen! Für diese Nachricht hatten meine Gastmum und ich nur noch ein müdes Lächeln übrig :lol: Sie wusste ja wie sehnsüchtig ich auf das Paket gewartet habe :lol:

 

Das war’s von mir heute, aber ein neuer Eintrag kommt bald. Muss euch ja noch von meinem tollen Wochenende erzählen und dem Deutschland – England Spiel (für alle die, die es noch nicht in der Zeitung gelesen haben :blush:)

 

Alles Liebe,

Eure Steph

 

PS.: Noch mal ein liebes Dankeschön an meine Familie! Ich hab mich so furchtbar dolle gefreut, dass ich es gar nicht angemessen in Worte fassen kann!

Auto, Auto, Audi!29.06.10

Zu allererst: Die Kommentarfunktion ist dazu da, um Kommentare zu hinterlassen ;) Würde mich sehr freuen, wenn ihr mir den ein oder anderen Gedanken da lasst!

 

Letzte Woche Donnerstag war es endlich so weit! Schon seit ein paar Wochen wusste ich, dass ich bald das Familienauto meiner Hostfamily fahren dürfte. Denn Charlotte und Jo wollten über ein Wochenende mit ihren Freunden weg und ich sollte natürlich auf die Kids aufpassen. Damit ich ein wenig mobil bleiben würde, haben sie mir angeboten mich auf ihr Auto mitzuversichern.

 

Zunächst war ich ein wenig verwundert, denn in meinem Einführungsbrief den ich in Deutschland erhalten hatte, hieß es, dass ich nicht Auto fahren bräuchte, aber einen Scooter zur Verfügung habe. Das war für mich so auch okay, da ich mich in zwei Monaten schon ziemlich gut an den Roller gewöhnt hatte. Aber als ich die erste Verwunderung verarbeitet hatte, stieg in mir natürlich die Freude auf. Vorm Linksverkehr hatte ich ja mittlerweile keine Angst mehr (durch den Roller) und wer möchte denn bitte nicht einen Audi A6 Allroad fahren?

 

Wer mich kennt, der weiß, dass ich absoluter Audi Fan bin und nach 4 Jahren Abstinenz (mein Fahrschulauto war ein Audi A3) endlich wieder zu meinen Ursprüngen zurück gekehrt bin.:lol:

 

Nun hieß es am Donnerstag das erste Mal Probefahren. Charlotte hätte mich ja am liebsten alleine losgeschickt, weil sie weiß, wie unangenehm Beifahrer sein können. Doch zur Sicherheit wollte ich sie bei meinen ersten Metern gern dabei haben. Natürlich ging das alles nicht ohne Nervosität von statten, obwohl ich sehr stolz war, nicht gezögert und die Chance ergriffen zu haben. Vor einiger Zeit hätte ich bestimmt den Schwanz eingezogen und einen 3km-Abstand zum Auto/Linksverkehr gehalten.

 

Aber ich habe ich mich wirklich ins Auto gesetzt! Und dann wurde ich mit der Automatik konfrontiert. Ich kann nur sagen, gut, dass Charlotte dabei war :dead: Die meiste Zeit ernte ich hier immer ungläubige Blicke, wenn ich den Kiwis erkläre, dass sie zwar eine deutsche Automatik in ihrem Auto haben (ja, der Großteil fährt hier Audi, BMW oder VW), wir in Deutschland aber immer noch das manuelle Schalten bevorzugen. Ich versuche dann immer zu erklären, dass es ein ganz anderes Gefühl des Fahrens ist, aber so richtig in Worte fassen kann ich es wirklich nicht.

 

Nun gut, ich saß nun also im Auto und versuchte mich an die Automatik zu gewöhnen. Man möchte meinen, dass es eigentlich total leicht ist. Ist es auch, aber einfach ungewohnt, wenn man bisher nur Manuell gefahren ist. An dieser Stelle will ich nun einmal erklären, wo denn so die typischen Probleme liegen.

 

Punkt 1:  Mit Abstand der wichtigste! In einem Automatik Auto gibt es nur zwei Pedale wie ihr wisst – Bremse und Gas. Das Pedal zum Entkuppeln fehlt. Eigentlich schön und gut, denn das ist ja das schwierige beim manuellen Fahren. Ich war eigentlich froh, dass ich mich hier im Linksverkehr nicht darauf konzentrieren werden muss. Doch mein linker Fuß sieht das ein bisschen anders. Der ist ans Arbeiten gewöhnt und will bei jeder roten Ampel automatisch die Kupplung treten. Und die Kupplung tritt er für gewöhnlich auch sofort durch. Dreimal dürft ihr raten, was passiert, wenn das besagte Pedal fehlt und der Fuß einfach auf das nächstbeste Pedal ausweicht?  Richtig, man, oder besser gesagt ich, legt eine völlig unerwartete Vollbremsung hin. Schön und gut – ist mir einmal passiert und hoffentlich nicht so schnell wieder.

 

Punkt 2: Anfahrt am Hang! Als Fahrschüler schlug mir das Herz bei dieser Aufgabe immer bis zur Kehle. Was passiert, wenn ich nicht genug Gas gebe sobald ich die Handbremse löse? – Roll ich zurück und ungebremst in das Auto hinter mir oder verreckt der Motor, usw.? Nach 4 Jahren Autofahren stell ich mir diese Fragen nicht mehr und mach’s einfach.  Als ich letzten Donnerstag am ersten Hang irgendwo in Auckland rumstand und anfahren musste, hab ich mich nur gefragt: Warum sagt Charlotte nichts? Warum sagt sie mir nicht, dass ich die Handbremse ziehen soll? Wenn sie’s nicht sagt, brauchst du’s nicht machen. Gut, stattdessen stand mein Fuß völlig verkrampft auf der Bremse und plötzlich kamen die alten Fragen wieder auf. Was passiert jetzt wenn ich losfahre? Roll ich zurück? Erst eine halbe Stunde später habe ich bemerkt, wie clever mein kleiner…uhm…großer Audi doch ist und die ganze Aufregung umsonst ist. Denn solange ich im Drive-Mode bin, blockieren die Räder nach hinten und es ist nicht möglich auch nur einen Zentimeter rückwärts zu rollen. Wie angenehm ist das denn bitte?

 

Punkt 3:  Gute Autofahrer schalten besser als die Automatik und wenn ich mir unsere Automatik so anhöre, dann halte ich selbst mich für einen guten Autofahrer! Manchmal ist der Klang echt nicht mehr gesund und meines Erachtens schaltet die Automatik viel zu spät. Vor allem hier in Auckland, wo alles so verdammt hügelig ist. Den ersten Teil des Berges tritt man verzweifelt auf das Gaspedal, weil das Auto trotz seiner vielen PS nicht vorankommt und dann plötzlich kurz vor Ende des Hügels schießt das Auto aufeinmal davon. Also wirklich! Spritsparend ist das in keinster Weise.

 

Fazit: Für mich als Anfängerin im Links- und Großstadtverkehr ist eine Automatik sehr gut zum Einsteigen. Allerdings haben manuelle Fahrer ihre kleinen Probleme beim Umstieg auf die Automatik und ich bin mir nicht so sicher, ob sich eine Automatik im hügeligen/bergigen Neuseeland wirklich rechnet.

 

Okay, nun zum Fahren im Allgemeinen. Durch den Roller habe ich mich schon sehr gut an den Linksverkehr gewöhnt und ich habe eigentlich keine Probleme mehr mich richtig einzuordnen. Ich fahre im Kreisverkehr mit dem Uhrzeigesinn, nach dem Ausparken bin ich auch wieder auf der linken Seite, ich setze die Blinker richtig und weiß mittlerweile in welche Richtung ich zuerst schauen muss, wenn ich an einer Kreuzung stehe und den Verkehr überblicken will.

 

Doch auch hier habe ich ein ABER – denn die Neuseeländer spinnen! Zumindestens beim Autofahren. Im LINKSverkehr möchten man ja meinen, dass der Linksabbieger mit dem kürzesten Weg Vorfahrt hat vor dem Rechtsabbieger mit dem längsten Weg. Großer Irrtum! Steh ich auf der Hauptstraße und will links Abbiegen, wäre ich nach europäischen Verständnis einfach losgefahren. Hier muss man anhalten und sich versichern, dass sich im Geradeausverkehr auf der anderen Seite nicht zufällig ein Rechtsabbieger versteckt. Nach neuseeländischem Recht hat der nämlich Vorfahrt. Mal davon abgesehen, dass es den Verkehr völlig lahmlegt,  ist es auch noch super gefährlich. Vorfahrtsunfälle sind hier an der Tagesordnung.

 

Die Neuseeländer stört es wahrscheinlich weniger – Autofahren können sie eh nicht. Am Kreisverkehr steht man entweder ewig, weil alle Autofahrer sich hier stundenlang versichern, dass der Kreis LEER ist bevor gefahren wird, oder aber man wird angehupt, sobald man sich erdreistet eine kleine Lücke nutzen. Hach ja, die Deutschen sind defintiv und ungeschlagen die besten Autofahrer.

 

Auch die Organisation des Straßenverkehrs ist wesentlich sinnvoller zu Hause. Wo in anderen Ländern zu wenig markiert wird, markieren die Neuseeländer definitiv zu viel. Da gibt es an einer kleinen Kreuzung durchgezogene Linien für die Füßgänger, für Radfahrer, für die Spurenführung und an den Rändern sind dann noch mal Linien für die Parkplätze. Würde man nach deutschem Verständnis diesen Linien Folge leisten, dürfte an der Kreuzung weder die Spur gewechselt werden, noch dürfte man bei Grün losfahren, denn die durchgezogene Linie für die Fußgänger verbietet eigentlich jegliches weiterfahren.

 

Hach, ist gar nicht so einfach hier :what: Aber Gott sei Dank, entschuldigt neuseeländisches Autofahren meine eigenen Fehler und nichtsdestotrotz macht Fahren in meinem Audi…uhm…dem Audi meiner Familie unglaublich viel Spaß:cool:. Ich hoffe, dass ich demnächst mehr Gelegenheiten dazu haben werde!

 

Vielleicht kann ich auch bald mal Fotos von meinen zwei Fortbewegungsmitteln machen :)

 

Bis GANZ Bald (ich hab noch mehr zu erzählen, passt aber thematisch nicht zu diesem Eintrag :)

Eure STEPH

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