| ![]() |
Da bin ich wieder!
Letzte Woche Freitag war der Tag vor dem ich lange Zeit Angst hatte: Das Telefoninterview stand an! Es ging noch nicht um das erste Telefonat mit einer Familie (davon bin ich wohl noch ein Stückchen entfernt), sondern um das Kompetenz-Telefonat mit der Organisation. Zwar könnte ich jetzt eine Debatte darüber führen, wie vertrauenserweckend eine Agentur ist, die ihre AuPairs nur über Telefon prüft, aber ich tu’s nicht. Ganz einfach aus dem Grund, dass das Telefonat meines Erachtens ziemlich gut gelaufen ist. Mein Englisch war passabel und inhaltlich hab ich mich glaub ich auch ganz gut geschlagen. Allerdings gab es eine Frage bezüglich meines Lebenslaufes, die zwar auf Deutsch gestellt wurde, mich dennoch etwas ins Straucheln brachte. Um was es dabei geht, gehört nicht in diesen Rahmen, aber nur so viel: Ich mache mir jetzt halt ein paar Gedanken, ob auch wirklich alles glatt geht.
Um meinen Weg allerdings so eben wie möglich zu gestalten, habe ich trotz zahlenmäßig ausreichender Referenzen noch ein Prakitkum in einem Kindergarten und in einer Grundschule mit Ganztags-Programm organisiert. Denn ich fühlte mich bisher im Umgang mit kleinen Kindern eher unbeholfen und unsicher, obwohl ich ein 4jähriges Patenkind habe, das ich von kleinauf mit betreue. Ich bin ein Typ Mensch, der generell alles gern in Frage stellt, vor allem sich selbst. Deshalb zweifelte ich auch oft an meiner Entscheidung Lehrerin zu werden. Ich bin in meinem Leben vielen tollen, aber auch wahnsinnig inkompetenten Lehrern begegnet und aus diesem Grund fürchte ich nichts mehr, als nur halbherzig bei der Sache zu sein. Denn früher habe ich mich eher ungern mit kleinen Kindern abgegeben und war ziemlich überrascht als ich mich aus heiterem Himmel plötzlich für Lehramt und auch jetzt zum Au Pair entschied. Irgendetwas kleines fieses in mir versuchte mir beharrlich einzureden, dass ich Kinder eigentlich ätzend finde und mir etwas vormache schon irgendwie mit Kindern klarzukommen. Wahrscheinlich war/ist dies mein Perfektionsdrang, der mal wieder versucht mir mein Anliegen vorher schon madig zu reden aus reiner Angst davor zu versagen. Rückblickend betrachtet ist es eigentlich völliger Unsinn, denn scheinbar hab ich doch mehr Geduld mit Kindern als ich dachte und wenn ich meinen eigenen Lebenslauf mal genauer betrachtet hätte, wäre mir das sicher schon vorher aufgefallen.
Aber nun zu dem hier und jetzt! Ich habe also oder besser gesagt meine Großmutter hat für mich ein Praktikum in einem Kindergarten meiner Heimat organisiert. Dies geschah so, weil ihr jüngster Enkel (mein Patenkind) schon seit mehreren Jahren diesen Kindergarten besucht und sie ihn regelmäßig dort abholt. Als feststand, dass ich mich für AuPair bewerbe, hat sie einfach mal nachgefragt und die Kindergartenleitung hat freundlicherweise völlig unbürokratisch eingewilligt. So kam es, dass ich heute morgen um 8 Uhr zu meinem ersten Arbeitstag im Kindergarten angetreten bin.
Seit ich wusste, dass ich das Praktikum sicher habe, war ich total nervös, hippelig und aufgeregt. Ich malte mir sonst was für Horrorszenarios aus. Dass ich meine Aufsichtspflicht verletze und ein Kind sich wehtut, war dabei noch das harmloseste. Meine schlimmste Vorstellung belief sich darauf, dass ich feststellen würde, mit Kindern absolut nicht klarzukommen oder dass Kinder mich hassen. Mit einem mulmigen Gefühl ging es also ab in den Kindergarten. Die Szenerie war schon lustig: Meine Oma lieferte heute nicht nur ihr jüngstes, sondern auch ihr ältestes Enkelkind im Kindergarten ab.
Nun gut, meine Angst wurde erst mal gedämpft, als mich die Kindergartenleiterin überfreundlich in Empfang nahm. Sie war wirklich sehr nett und angetan von meiner Idee freiwillig ein Praktikum zu machen. Auf eine kurze Schweigepflichtsbelehrung folgte ein Rundgang durch den Kindergarten. Ich widerum war sehr angetan von dem Konzept und der Ausstattung des Kindergartens. Erstmal nur so viel: Es gibt sogar ein Vorschulzimmer mit den tollsten Spielen, die alle total spielerisch ein lehrreichen Zweck erfüllen. Ich war wirklich beeindruckt und auch die Architektur des Kindergartens ist sehr schön.
Bevor ich zum wirklich wichtigen Teil dieses Eintrages komme, möchte ich noch kurz etwas von meinem Patenkind erzählen. Es war von Anfang an klar, dass ich nicht in seine Gruppe komme, was ja auch verständlich ist. Aber heut früh war es schon niedlich, als er mir auf schonende Art und Weise versucht hat beizubringen, dass er heute im Kindergarten nicht mit mir spielen könne, da er schon mit seinem Kumpel Benni verabredet sei
Zum Knutschen komisch, denn umso süßer war es, als ich dann bei dem Rundgang in seiner Gruppe ankam und er sofort zu mir kam und einen dicken Schmatzer von mir wollte. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass er den anderen zeigen wollte, ich bin seine Stephanie.
Aber für diese Woche bin ich auch die Stephanie der 2 bis 3jährigen. So zumindestens wurde ich der aufgeweckten Truppe vorgestellt: “Diese Woche haben wir eine Stephanie!” Die erste halbe Stunde beim Frühstück war ich doch noch sehr verunsichert und wusste nicht wie ich mich einbringen könnte, aber die Kindererzieherin war supernett und meinte, die Kleinen würden beim Spielen alleine auf mich zukommen. Dem wollte ich in dem Moment noch nicht trauen, aber ich wurde wenig später eines Besserern belehrt. Schon auf der Toilette ließen sie sich ohne Berührungsängste von mir wieder die Hosen hochziehen und sobald wir im Spielzimmer waren, belagerten sie mich hochinteressiert und überhaupt nicht schüchtern. Nicht ein einziger machte einen Bogen um mich. Viele wollten mit mir Burg bauen, ein Buch anschauen oder sogar Kuscheln!
Ich war wirklich überrascht, wie umgänglich, offen und herzlich die Kleinen sind. Sie strahlten mich die ganze Zeit an und als die Tränen kullerten ließen sie sich sogar von mir trösten. Und auf Ideen kommen die Racker! Ich war etwas verwundert, als sie plötzlich Decken ausbreiteten und sich darauf legten, um irgendetwas anzuvisieren. Schließlich erklärte mir die Erzieherin, dass ihr neuester Lieblingszeitvertreib Biathlon sei und als die Kinder dann anfingen durch den Raum zu rennen und Skifahren immitierten, indem sie eindeutige Armbewegungen machten, wurde mir einiges klar: Man konnte nicht nur super erkennen, was sie spielten, sondern ich bemerkte auch, wie pfiffig und gnadenlos einfallsreich Kinder sind.
Es war ein herrlicher Tag, wenn auch anstrengend. Ich denke zwar noch immer, dass die Arbeit mit Kindern auch mal stressig wird, wenn irgendwann Routine einkehrt, aber auf der anderen Seite, wirkten diese Kinder heute nicht, als ob ihnen nichts neues einfallen würde, um uns Erwachsenen den Tag zu versüßen. Sie sind so herzlich unkompliziert und haben mir ein Vertrauen geschenkt, dass ich niemals erwartet hätte. Ich hoffe ganz doll, dass es vielleicht auch ein bisschen was mit meiner Person zu tun hat. Aber auf jeden Fall werde ich mir die Erzieherinnen von diesem Kindergarten zum Vorbild nehmen: Sie sind so kreativ, so liebevoll und so wahnsinnig geduldig, wie es nicht in jedem Kindergarten der Fall ist, aber wie man es sich in jedem Kindergarten wünscht, in dem man sein Kind für einige Zeit in Obhut gibt.
Ich werde diese Woche nutzen, um noch so viel wie möglich zu lernen!
PS: Mein Patenkind ließ es sich dann auch nicht nehmen, mich persönlich und ganz allein in meiner Gruppe abzuholen, als unser “Fahrdienst” pünktlich halb vier auf der Matte stand! Hach, Kinder sind herrlich!
![]() |